Innovationsthema

Low-Code/No-Code Entwicklung

Technologie
Trend: Emerging
Relevanz: Mittel
Adaptionsreife: Neu im Aufbruch
Tier 2 – Mittelfristige Planung (MITTEL), Einfache App-Entwicklung

Low-Code-Plattformen beschleunigen die Softwareentwicklung und befähigen Fachbereiche, einfache Anwendungen selbst zu erstellen. Richtig gesteuert, entlasten sie die IT, fördern Innovation – und verlangen zugleich klare Governance, um Schatten-IT zu vermeiden.

Während Citizen Development viele Vorteile bietet, birgt es auch Risiken im Bereich der Schatten-IT und Datensicherheit. Unternehmen müssen daher klare Governance-Strukturen etablieren, um sicherzustellen, dass die Entwicklung durch Fachabteilungen regulatorisch konform und sicher erfolgt.

Low-Code/No-Code-Plattformen erlauben die Erstellung von Anwendungen mit minimaler oder ganz ohne herkömmliche Programmierung. Sie bieten visuelle Entwicklungsumgebungen, Drag&Drop-Komponenten, Konfigurationsmenüs und fertige Schnittstellen zu Datenbanken und Services. Zielgruppe sind Citizen Developer (Fachanwender mit IT-Affinität) ebenso wie professionelle Entwickler, die damit Routine-Aufgaben schneller erledigen können.

Die Modernisierung der Entwicklungslandschaft durch Low-Code dient dem Zweck, die Software-Delivery zu beschleunigen und die IT-Abteilungen zu entlasten, indem Fachbereiche einfache Apps oder Prototypen selbst bauen können. Gleichzeitig stellt Low-Code eine Herausforderung an Governance dar, damit dabei keine Schatten-IT entsteht. Viele Unternehmen etablieren daher Center of Excellence oder Richtlinien für Low-Code-Plattformen. Beispiele für Einsatz: kleine Workflow-Tools, Abteilungs-spezifische Anwendungen, MVPs für Geschäftsideen, oder als Frontend für vorhandene Daten.

Trends

Enterprise Low-Code Adaption: Low-Code ist im Mainstream angekommen. 70 % der neuen Anwendungen in Unternehmen werden bis 2026 Low-Code/No-Code-Technologien einbeziehen, gegenüber weniger als 25 % in 2020. Große Softwareanbieter haben eigene Low-Code-Plattformen (Salesforce Lightning, ServiceNow App Engine, Microsoft Power Apps) oder integrieren sie (SAP Build). Immer mehr Legacy-Software bekommt Low-Code-Erweiterbarkeit (z. B. ERP-Systeme erlauben via Baukasten Erweiterungen).
Citizen Development: Laut Gartner werden in Großunternehmen Citizen Developer die professionellen Entwickler zahlenmäßig um das Vierfache übertreffen bis 2026. D.h. viel mehr Mitarbeiter außerhalb der IT werden sich in Entwicklung einbringen. Unternehmen reagieren mit Programmen, diese Citizen Devs zu identifizieren, zu schulen und sinnvoll einzusetzen. Low-Code-Plattformen entwickeln sich dabei weiter, um auch komplexere Anwendungsfälle abzudecken (bessere Integrationsmöglichkeiten, mehr vorgefertigte Module).
AI in Low-Code: KI-Features halten Einzug, etwa natürlichsprachliche Programmierung. Einige Low-Code-Tools erlauben per Textprompt UI oder Abfragen zu erstellen (Beispiel: Power Platform mit GPT-Integration). Das verschiebt Low-Code noch näher an „No Code“. Zudem nutzen Citizen Devs vermehrt generative KI (wie GitHub Copilot), um sich Code-Snippets generieren zu lassen für spezielle Funktionen - die Trennlinie zwischen traditioneller Programmierung und visueller Modellierung verschwimmt immer mehr.

Herausforderungen

Governance und Schatten-IT: Wenn jeder Mitarbeitende Apps bauen kann, besteht die Gefahr, dass unkontrolliert Anwendungen entstehen, die Sicherheitslücken haben oder Daten wild replizieren. IT-Abteilungen müssen Leitplanken setzen: z. B. welche Datenquellen angezapft werden dürfen, Code Reviews oder Freigabeprozesse auch für Low-Code-Apps, und ein App-Inventory, um Überblick zu behalten. Ohne Governance kann Low-Code zum Bumerang werden (Wartungsalbtraum, Compliance-Probleme).
Skalierbarkeit und Einschränkungen: Low-Code-Plattformen stoßen bei sehr individuellen oder hochskalierenden Anforderungen an Grenzen. Eine App, die in Low-Code schnell gebaut ist, muss evtl. später doch in traditionellem Code neu entwickelt werden, um Performance oder Modularität sicherzustellen. Entscheider müssen abwägen, für welche Einsatzfälle Low-Code geeignet ist (meist internes Tooling, Nischenlösungen) und wo eher klassische Entwicklung sein sollte. Zudem binden manche Plattformen ans eigene Ökosystem - eine zu starke Abhängigkeit von einem Low-Code-Anbieter kann entstehen.
Akzeptanz und Qualifizierung: Nicht jeder Fachanwender hat Interesse oder Zeit, Apps zu entwickeln. Die Idee des Citizen Developers klappt nur, wenn entsprechende Motivation und Grundskills vorhanden sind. Es braucht Schulungen und Support durch die IT (z. B. ein Low-Code Center of Excellence - CoE). Zudem kann es zu Spannungen zwischen Fachbereich und IT kommen, wenn Verantwortlichkeiten unklar werden („Wer betreibt die App, die der Fachbereich gebaut hat?“). Hier klare Modelle zu finden (z. B. gemeinsames DevOps-Team aus Fach- und IT-Leuten für wichtige Apps) ist nicht trivial.

Chancen

Schließen der IT-Nachfragelücke: Der größte Vorteil ist, dass Low-Code hilft, die immense Nachfrage nach Business-Anwendungen zu bedienen, die klassische IT oft nicht schafft. Fachbereiche können sich selbst helfen und kleinere Lösungen eigenständig erstellen, statt monate- oder jahrelang um IT-Ressourcen zu konkurrieren. Das entlastet die IT für komplexere Aufgaben. Unternehmen, die Low-Code effektiv einsetzen, können damit schneller digitale Prozesse implementieren und ihre Mitarbeiter als Mit-Innovatoren einbinden.
Schnelle Prototypen & Agilität: Low-Code eignet sich hervorragend, um Ideen zu prototypisieren. Innerhalb von Tagen kann ein MVP gebaut und mit echten Nutzern getestet werden. Das fördert eine Experimentierkultur und agile Vorgehensweise - man kann mehr Ideen günstig ausprobieren, bevor man teuer in professionelle Entwicklung investiert. Einige der Prototypen sind vielleicht schon „gut genug“ und gehen direkt produktiv. So beschleunigt Low-Code die digitale Innovation an der Frontline erheblich.
Produktivitätsgewinn für Entwickler: Auch professionelle Entwickler nutzen Low-Code/No-Code Elemente (z. B. UI-Designer, Formular-Builder), um Routinearbeiten schneller zu erledigen. Dies kann die Produktivität steigern und den Fokus der Dev-Profis auf komplexe Logik statt auf Standard-Crud (Create, Read, Update und Delete) und -Forms lenken. Kombiniert mit generativer AI (Copilot etc.) könnten sich Developer künftig mehr auf Architektur und wirklich schwierige Algorithmen konzentrieren, während Boilerplate (einfache Bausteine) von Tools generiert wird - ein Gewinn für die Attraktivität des Jobs und die Effizienz.

Technologien und Anbieter

Große Low-Code Plattformen: Microsoft Power Platform (Power Apps, Power Automate), OutSystems, Mendix (Siemens), Salesforce Lightning Platform, ServiceNow App Engine, Google AppSheet. No-Code Web/App Builder: Bubble, Adalo, Wix (für einfache Webapps), Zoho Creator. Workflow-Automatisierung: Zapier, Make (Integromat), Camunda (mit Zeebe für Fachprozesse). RPA für No-Code Integration: UiPath bietet StudioX für Citizen Devs. Einige BPM-Systeme (Pegasystems, Appian) positionieren sich ebenfalls als Low-Code für Geschäftsprozesse. Von Gartner gibt es Magic Quadrants für Enterprise Low-Code Application Platforms mit führenden Anbietern - dort finden sich u.a. Microsoft, OutSystems, Mendix als Leaders. Für Entscheider wichtig: Auswahl nach Einsatzszenario treffen (nicht jede Plattform passt zu jedem Bedarf) und von Anfang an Security & Lifecycle bedenken (wie werden Apps versioniert, getestet, dokumentiert?). Auch das Lizenzmodell ist zu beachten - manche sind pro User teuer, was bei vielen kleinen Apps Kosten explodieren lassen kann. Trotzdem: Mit kluger Einführung und Monitoring kann Low-Code ein wertvolles Werkzeug im Modernisierungsportfolio sein.
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